Platte der Woche: Hot Chip “One Life Stand”
Wir raven all night long. So oder ähnlich lautete bislang das Motto im Hause Hot Chip – bislang wohlgemerkt: Mit ihrem neuen Album “One Life Stand” soll die Ewigkeit erreicht werden und das ist nicht nur lyrisch, sondern auch musikalisch ein echtes Wagnis.
“Wie machen die das?” Fragten 2008 verdutzt eine Reihe von Kritikern, die auch dem dritten Hot Chip-Werk in Folge hohe Innovationskraft und bestechende Qualität attestieren mussten. Die Zeit sei doch reif, dass die Mannen um Chefnerd Alexis Taylor wenigstens einmal daneben liegen, nach zwei gefeierten Alben “gewöhnlich” klingen und den Ruf als heißester Scheiß Londons an blutjunge Newcomer abgeben. Shitdisco standen parat, The Klaxons drängelten sich auf und Justice schoben den musikalischen Ansatz “Elektro meets Pop” in eine noch gnadenlosere Richtung.
Doch all die Konkurrenten können einpacken: “One Life Stand” setzt dem Vorgänger “Made In The Dark” doch tatsächlich eins drauf. Mit einem Popverständnis, dass nicht selten an Madonnas letzte große Single (das Abba-Cover “Hung Up”) erinnert, bringen Hot Chip zwei Extreme zusammen, die nur selten auf einen Nenner kommen: Gefühl und elektrische Beats. Mit welcher Inbrunst sich die einzelnen Beiträgen dabei immer wieder steigern, nach oben schrauben und ungeahnte Spannungsbögen schaffen ist schier der Wahnsinn.
Selbst eine Ballade wie “Slush” gelingt und zu Recht beschleicht einem das Gefühl, Hot Chip könnten selbst an der Seite von David Guetta ihre Songs spielen und nicht einen Funken an Glaubwürdigkeit verlieren. So “unique” ist ihr Sound bereits und fest steht: Der Elektropop-Song, den Hot Chip nicht hinbekommen, muss erst noch erfunden werden. In der Wüste von Nevada, mit Giftstoffen und Plutonium wahrscheinlich.
“One Life Stand” indes allein als Partyplatte zu bezeichnen, würde den Tiefgang des Albums ad absordum führen. Es ist Hot Chip subtiles und zugleich zwingendes Songwriting, dass diesem Werk eine Leichtigkeit verpasst, die unerträglich schön ist.
Label: Parlophone/Emi Vö: bereits erschienen
Tracklist:
1. Thieves In The Night
2. Hand Me Down Your Love
3. I Feel Better
4. One Life Stand
5. Brothers
6. Slush
7. Alley Cats
8. We Have Love
9. Keep Quiet
10. Take It In
Und die vergangene “Platte der Woche” findet ihr hier!
Wir raven all night long. So oder ähnlich lautete bislang das Motto im Hause Hot Chip – bislang wohlgemerkt: Mit ihrem neuen Album „One Life Stand“ soll die Ewigkeit erreicht werden und das ist nicht nur lyrisch, sondern auch musikalisch ein echtes Wagnis.
„Wie machen die das?“ Fragten 2008 verdutzt eine Reihe von Kritikern, die auch dem dritten Hot Chip-Werk in Folge hohe Innovationskraft und bestechende Qualität attestieren mussten. Die Zeit sei doch reif, dass die Mannen um Chefnerd Alexis Taylor wenigstens einmal daneben liegen, nach zwei gefeierten Alben „gewöhnlich“ klingen und den Ruf als heißester Scheiß Londons an blutjunge Newcomer abgeben. Shitdisco standen parat, The Klaxons drängelten sich auf und Justice schoben den musikalischen Ansatz „Elektro meets Pop“ in eine noch gnadenlosere Richtung.
Doch all die Konkurrenten können einpacken: „One Life Stand“ setzt dem Vorgänger „Made In The Dark“ doch tatsächlich eins drauf. Mit einem Popverständnis, dass nicht selten an Madonnas letzte große Single (das Abba-Cover „Hung Up“) erinnert, bringen Hot Chip zwei Extreme zusammen, die nur selten auf einen Nenner kommen: Gefühl und elektrische Beats. Mit welcher Inbrunst sich die einzelnen Beiträgen dabei immer wieder steigern, nach oben schrauben und ungeahnte Spannungsbögen schaffen ist schier der Wahnsinn.
Selbst eine Ballade wie „Slush“ gelingt und zu Recht beschleicht einem das Gefühl, Hot Chip könnten selbst an der Seite von David Guetta ihre Songs spielen und nicht einen Funken an Glaubwürdigkeit verlieren. So „unique“ ist ihr Sound bereits und fest steht: Der Elektropop-Song, den Hot Chip nicht hinbekommen, muss erst noch erfunden werden. In der Wüste von Nevada, mit Giftstoffen und Plutonium wahrscheinlich.
Trotzdem: „One Life Stand“ als Partyplatte zu bezeichnen, würde den Tiefgang des Albums ad absordum führen. Es ist Hot Chips subtiles und zugleich zwingendes Songwriting, dass diesem Werk eine Leichtigkeit verpasst, die unerträglich schön ist.
Label: Parlophone/Emi Vö: bereits erschienen
Tracklist:
- Thieves In The Night
- Hand Me Down Your Love
- I Feel Better
- One Life Stand
- Brothers
- Slush
- Alley Cats
- We Have Love
- Keep Quiet
- Take It In
Und die vergangene „Platte der Woche“ findet ihr hier!





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