Platte der Woche: Tocotronic “Schall Und Wahn”
Hinter dieser Platte stecken vier kluge Köpfe, perfekter Rock und alles was das Herz begehrt: Tocotronic verzaubern, entzücken und betören mit “Schall Und Wahn”, ihrem neunten Longplayer wie schon lange keine deutschsprachige Band mehr – und schicken ganz nebenbei die Platte des Jahres 2010 ins Rennen.
Es grenzt an Größenwahn und Ironie des Schicksals. Eigentlich hätte “Schall Und Wahn” das Tocotronic-Album werden müssen, welches uns nicht die Sprache verschlägt, ihre Anhänger endlich auf den Boden der Tatsachen zurückholt und die Sache richtig stellt. Denn: “Pure Vernunft Darf Niemals Siegen” war 2005 die Perfektion des Tocotronic-Pop, das zwei Jahre später veröffentlichte “Kapitulation” der Schulterschluss mit der eigenen Vergangenheit und der vorläufige Höhepunkt einer Karriere, welche künstlerisch nie zu wünschen übrig ließ. Was soll also kommen?
Eine ganze Menge, denn nur ein Narr würde glauben, dass Dirk von Lowtzow und seine seitengescheitelten Mitstreiter die schwere Bürde nicht schultern können: Die Songs auf “Schall Und Wahn” kreiseln um sich selbst, bieten schroffen Rock, hymnische Alternative-Momente und Texte, die selbst nach intensiven Studien alles und nichts bedeuten können. Dies sei auch so gewollt, meinten die Schöpfer zuletzt im MTV.de Interview und behalten damit Recht: Am Ende ist es der Rezipient, der aus “Schall Und Wahn” das macht, was es ist.
Dem Autor dieser Zeilen geht dieses Monstrum, dieser funkelnde Monolith nicht mehr aus dem Kopf. Nie zuvor gelang der Hamburg/Berlin-Connection Tocotronic ein solch in sich geschlossenes, nervenaufreibendes und fantastisches Album – dagegen wirkt alles andere wie Mittelmaß und wer weiß, vielleicht spricht man in zehn Jahren von dieser einen, unmenschlich großen Platte als das Tocotronic-Werk schlechthin. Es wäre mehr als verdient, denn weiter wird es in diesem Jahr keine andere Band schaffen: Tocotronic legen mit “Schall Und Wahn” ihr Opus Magnum vor und zugleich die beste Platte 2010.
Beeindruckend, mit welch unumstößlicher Sicherheit man dies behaupten kann und zu keinem Moment den leisesten Zweifel an dieser zweifelhaften Behauptung hegt. Raum und Zeit sind außer Kraft gesetzt, “Schall Und Wahn” das Gebot der Stunde.
Label: Universal Vö: bereits erschienen
Tracklist:
1. Eure Liebe Tötet Mich
2. Ein Leiser Hauch Von Terror
3. Die Folter Endet Nie
4. Das Blut An Meinen Händen
5. Macht Es Nicht Selbst
6. Bitte Oszillieren Sie
7. Schall Und Wahn
8. Im Zweifel Für Den Zweifel
9. Kein Meisterwerke Mehr
10. Stürmt Das Schloss
11. Gesang Des Tyrannen
12. Gift
Und die vergangene “Platte der Woche” findet ihr hier!





Ein Kommentar zu „Platte der Woche: Tocotronic “Schall Und Wahn”“
Wurde ohnehin schon wieder Zeit für eine neue Platte der Tocos
Das Album ist meiner Meinung nach besser als erwartet und die erste Single gut gewählt. Vorallem die Textzeile “wer zuviel selbermach wird schließlich dumm ausgenommen Selbstbefriedigung” verleitet zum schmunzeln
Selbst nach 17 Jahren Bandgeschichte haben die Burschen aus Hamburg nach genug Energie und Potenzial. Sehr schön!
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