Geschrieben am 06.01.2010 | 12:45 pm

MTV Blog Interview Get Well Soon: “Das bin nicht ich”

Niemand missachtete in den vergangen zwei Jahren die Gepflogenheiten der deutschen Popmusik wie Get Well Soon-Frontmann Konstantin Gropper. Sein neues, zweites Album “Vexations” ist ein Bewies für Verschrobenheit und Genialität zugleich. Doch hinter alledem steckt ein Konzept, das so gar nichts mit dem Macher selbst zu tun hat.

Eine unheimliche Last muss auf seinen Schulter gelegen haben: Nach dem Erfolg des Get Well Soon-Debüts “Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon” waren die Erwartungen an den neuen Longplayer “Vexations” riesig: “Stimmt”, bestätigt Konstantin Gropper, “aber die Ansprüche, die ich selbst an ein neues Werk habe, sind weit höher als die der Hörer und Journalisten.”

Gut zu wissen, denn abgesehen davon ist der Wahlberliner ein beneidenswerter Typ. Obwohl in Deutschland aufgewachsen und an der Pop-Akademie Mannheim ausgebildet, hat sein Verständnis von Text und Komposition so gar nichts Traditionell-hergebrachtes. Schon auf seinem Erstling klang er mehr nach Radiohead und frühe Coldplay, als nach Deutschrock Marke Udo Lindenberg. “Ich sehe mich nirgends zugehörend”, meint das Multitalent und bleibt diesem Grundsatz mit “Vexations” treu.

Zwischen groß arrangierten und demgegenüber sensibel-leisen Beiträgen kann Konstantin Gropper einmal mehr seine brüchig, naive Romantik entladen und erschreckend düstere Klangwelten erschaffen – was den Eindruck vermittelt, er habe in den vergangen Jahren viel Negatives erlebt. Doch der Befragte wiegelt ab: “Mir geht es gut, es gibt nichts worüber ich mich beklagen kann.”

“Vielleicht ist das der Grund, weswegen es mir in der Regel leichter fällt, düstere Themen anzuschneiden, wenn ich innerlich ausgeglichen bin und die Distanz habe. Geht es einem selbst schlecht, ist man zu sehr darin involviert. Wobei ich nicht sagen möchte, das ich einzig Geschichten auf ‘Vexations’ erzähle – dass hat schon mit mir zu tun.” Inwiefern kann er jedoch nicht sagen und das ist eigentlich auch nicht nötig.

Insgesamt gesehen haben Get Well Soon es fraglos geschafft, den vielfältigen Ansprüchen gerecht zu werden: Die Songs auf “Vexations” nehmen sich selten in ihrer Opulenz zurück, die Gitarren klingen gerne hymnisch und wenn das Piano zum Einsatz kommt, erinnert dies an die Filmmusik einer Eleni Karaindrou – wie die Spex jüngst bemerkte. Nur einen Fehler begeht Gropper: Er übersinnbildlich seine Musik, schmeißt mit Referenzen um sich, so das die Songs es schwer haben, nicht zu ersticken.

Immer wieder spricht das Multitalent von Einflüssen, wie sie intellektueller kaum sein könnten – so sei “‘Vexations’ ein Konzeptalbum zum Thema Stoizismus” und dem nicht genug, denn Seneca, Werner Herzog oder Homer werden als weitere Einflüsse genannt. Mag sein, dass dies so ist, doch Get Well Soon wären besser beraten, wenn sie mit den Quellen sparsamer umgehen würden.

Am Ende des Gesprächs verrät Konstantin Gropper dann, dass er sich äußerst unwohl fühle, als “Greman Wunderkind” oder “wertvoller Gegenentwurf zu Tokio Hotel” deklariert zu werden. Muss doch nicht sein, sagt der 27-Jährige und dürfte bald als Referenzpunkt innerhalb der deutschen Musiklandschaft herhalten – so international sein Sound aktuell klingt.

Was mit Fieldrecordings hinter dem Haus seiner Eltern begann und mit dem Untergang des Römischen Reichs ausklingt, gehört zum Besten, was die deutsche Musikszene derzeit zu bieten hat – “Vexations” ist die zweite Großtat von Get Well Soon, selbst wenn das alles nur bedingt mit Konstantin Gropper zu tun hat. Wir mögen es trotzdem.

Aktuelles Album: Get Well Soon “Vexations” (City Slang/Universal)

>> Hier findet ihr die Rezension zum Album!

Get Well Soon auf Tour:

23.01.10 Wien – ARENA
24.01.10 Zürich – Mascotte Birthday
19.01.10 Luzern – Konzerthaus Schuur
20.02.10 Inssbruck – Weekender
21.02.10 Salzburg – Rockhouse
22.02.10 Graz – PPC
23.02.10 Münschen – Ampere
25.02.10 Dresden – Beatpool
26.02.10 Köln – Gloria
27.02.10 Haldern – Rock Im Saal
28.02.10 Hannover – Glocksee
02.03.10 Frankfurt Am Main – Musonturm
03.03.10 Leipzig – Central Theater
04.03.10 Hamburg – Übel & Gefährlich
27.03.10 Bremen – Lagerhaus
20.03.10 Mannheim – Stereo Mondo Festival
07.05.10 Berlin – Volksbühne
08.05.10 Dortmnund – Konzerthaus

>> Alle Infos zu Get Well Soon!

Ein Kommentar zu „MTV Blog Interview Get Well Soon: “Das bin nicht ich”“

  1. “Ich hab noch nie vor so vielen Menschen gespielt…” – Get Well Soon live in München « Elmorino's Blog schrieb am 24.02.2010 | 21:45

    [...] MTV Blog Interview Get Well Soon [...]

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